strampeln für den seelenfieden
02. Juli 2009ein 42 jähriger mann betritt die bühne, alles andere ist jetzt egal. ich stehe also in der zweiten reihe, im untergrund, in köln und sehe das seit sieben jahre ersehnte - static-x live.
natürlich habe ich erst drei tage vor dem konzert erfahren, dass es überhaupt stattfindet, somit durch expressversand 16 euro mehr verpulvert und mit der aussage “wir liefern innerhalb eines werktages” eine menge nerven über den jordan gehen lassen. dass ich nun schlussendlich doch hin gekommen bin verdanke ich in erster linie natürlich meinem freund. wie war das noch gleich? “gebe deiner freundin nie deine kreditkarte.” hat er noch mal glück gehabt, dass ich sie nicht in die hände bekmommen habe. nun ging es daran jemanden zu finden, der sich meiner erbarmen würde, den schweren weg bis nach köln zu beschreiten und welch wunder es fand sich natürlich keiner. die eingefleischten staticfans waren zum heu machen verdammt worden und der rest der belegschaft, mit interesse, hemmungsolos ausgebucht. mit vorangeschrittener zeit und zunehmend zitternden händen wählte ich nun die nummer eines lieben arbeitskolegen, wenig zuversichtlich, dass es noch klappen könnte, doch das schicksal führt zusammen was zusammen gehört, willigte er ein und bekam als goodie oben drauf noch das auto seiner mutter. man muss das glück schon mit löffeln gefressen haben um es bis zu diesem zeitpunkt zu überstehen. der termin den ich von 17 bis 19 uhr hatte war dem eifer zur liebe auf “ich schaff die firmenvorstellung auch in 45 minuten.” zusammen geschrumpft und zu gegebenem zeitpunkt, weniger glücklich von der gegenseite abgesagt worden. so hatten wir sechs minuten nach konzertbeginn unser ziel erreicht. dem navi sei dank, denn der werte kolge ist anfangs, leich zerstreut, erstmal straight nach essen gefahren.
die vorband habe ich natürlich dazu missbraucht mich ein bisschen zu unterhalten und meine kamera auf die ungünstigen lichtverhälltnisse einzustellen. dass sie selbst abbauen mussten fand ich persöhnlich sehr amysant wobei die dame neben mir noch die gelegenheit bakam die schuhe der band ein bisschen weiter anzuschmachten. hüpfend und quiekend erhaschte ich immer wieder ein paar blicke auf mitglieder der heißersehneten iconen bis es dann endlich so weit war.
dort stand er, direckt vor meiner nase, den platz hatte ich mir scheinbar gut ausgesucht. ein alter song jagte den nächsten, zu meinem glück, denn das album zur tour hatte ich noch nie gehört. ich bin schließlich chronisch unterinformiert. pandi hüpft und springt und hat spaß und dann ist da auf einmal ein fuß. ein fuß? ja, er steht zwischen meinen beinen und gehört dem seltsamen unbeweglichen typen hinter mir, mit dieser aktion hat er sich fast in die seltsamkeitsränge des jungen in der ersten reihe, der sich die ohren zu hält, gekämpft. ich drehe mich allso um und vergeude kostbare sekunden der musikalischen feinkost und frage ihn ob er nicht gewillt sei die ungeliebte stolperfalle zu entfernen. ist er nicht. also muss ich es anders angehen, ich hüpfe und springe also weiter, nun zielstrebig mit meinen boots auf seinem füß herum, er weicht keinen millimeter. eine geschätze viertelstunde des ärgers vergeht bis sich hinter mir etwas tut und der komische freak endlich verschwindet. nun habe ich ein paar prügelbrüder am hals aber damit lässt sich ganz gut leben. sie prügeln ich prügle und hinterher schüttelt man sich die hände, weil das in der extase schon mal vorkommen kann. zwischendurch erhasche ich einige blicke auf die band, wayne static knieht grinsend vor seinem mikroständer, vor dem kurze zeit vorher eine ca einen halben meter kleinere tontechnikerin sich abgemüht hatte, durch auf die zehenspitzen stellen die höhendeferenz auszugleichen. da bekam “ich brauch mehr monitor” gleich eine andere bedeutung. jedenfalls knieht er da und ich falle, wie auf der hinfahrt schon erwartet, halb in ohnmacht. am ende ist mein t-shirt klatsch nass und es gibt noch eine zugabe.
nun gehts wayne mit den händen durch die menge und ich kann mich stecken und verbiegen wie ich will ich bin einfach ein paar cm zu kutz. das ergetterte plecktron hat dieses versäumniss zwar nicht ganz wieder gut gemacht, aber ich habe für die zukunft etwas, das ich anschmachten kann. am nächten morgen durfte ich mir dann das blut aus den ohren kratzen, aber man steht gern vorm boxentower um einer seiner lieblingsbands genz nah zu sein.




















